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------------------------------------------------------- Edouard Manet und die Impressionisten Staatsgalerie Stuttgart 21.09.2002-09.02.2003 WWW: http://www.staatsgalerie.de/de/ausstellungen/manet/ Rezensiert für H-MUSEUM und Virtual Library Museum von Carmen Bosch-Schairer M.A.,Weinsberg / Germany E-Mail: c-b-s@t-online.de Edouard Manet, bedeutender Pariser Maler des 19.Jh., steht im Zentrum einer Ausstellung der Staatsgalerie Stuttgart, der umfangreichsten, die ihm bislang in Deutschland gewidmet wurde. Sie zeigt schwerpunktmaessig den spaeten Manet der 1870er Jahre und stellt ihm Werke seiner Malerkollegen gegenueber. Zugrunde liegt das mehrfach erprobte Konzept, ein wichtiges Werk der eigenen Sammlung zum Kristallisationspunkt eines groesseren Ausstellungsunternehmens zu machen. Der Manet der Staatsgalerie ist ein skizzenhaft angelegtes Doppelportraet des Malers Claude Monet und seiner Frau im Atelierboot, ein Bild aus der Serie impressionistischer Szenen auf und an der Seine, die im Jahr 1874 entstanden. Den Bezugsrahmen bilden infolgedessen Werke der Impressionisten Monet und Renoir und ihres Umkreises: Sisley, Caillebotte, Pissarro, Manets Schuelerin Berthe Morisot u.a. Daneben sind Vorlaeufer und Altersgenossen Manets wie Corot, Daubigny, Boudin, Courbet, Degas zu sehen. Erklaertes Ziel der Ausstellung ist es, Manet als Bahnbrecher fuer die innovative impressionistische Malerei zu zeigen wie auch den Einfluss der Impressionisten auf sein eigenes Werk sichtbar zu machen. Der Rundgang durch die mit ca. 80 Werken angenehm dimensionierte Ausstellung beginnt mit Bildern der spaeten 1860er Jahre, die Manets Ausgangsposition markieren, dann folgt seine plein air-Malerei aus den Badeorten der Kanalkueste und schliesslich seine impressionistische Phase mit zahlreichen Vergleichsbeispielen anderer Kuenstler. Ein Blick auf das Spaetwerk bis 1883, das zuweilen auf die stilistischen Errungenschaften des Impressionismus rekurriert oder damit experimentiert, beendet die Ausstellung. Eine kleine Auswahl von Arbeiten auf Papier zeigt ergaenzend Studien und eigenstaendige Werke. Fuer die Malerei der Moderne ist Manet tatsaechlich eine der Schluesselfiguren, neben den Malern der Schule von Barbizon oder Courbet, die auf ihre Art die ersten Breschen in die traditionsverhaftete Salonmalerei schlugen. Sie sind mit einzelnen Werken in der Ausstellung zitiert. Im Gegensatz zu ihnen war Manet der Maler des Pariser Stadtlebens. Das Grossbuergertum seiner eigenen Umgebung portraetierte er ebenso wie die Randstaendigen. Mit neuartigen Motiven und einem eigenwilligen Individualstil sorgte er, darin Courbet aehnlich, immer wieder fuer oeffentliche Kontroversen. Sein Malstil ist nicht revolutionaer, eher evolutionaer. Tizian, Rubens, Goya,Velasquez oder Delacroix waren die Bezugsgroessen, an die er anknuepfte und deren Errungenschaften er weiterentwickelte. Mit den stilistischen Neuerungen seiner Zeit setzte er sich auseinander und ueberpruefte sie auf ihre Brauchbarkeit. So experimentierte er mit der plein air-Malerei, als er bedingt durch Kriegs- und Nachkriegswirren 1870/71 gezwungenermassen laengere Zeit an der Kueste verbringen musste. Die Ausstellung zeigt u.a. zwei bedeutende Beispiele dieser Arbeitsphase, "Am Strand" und "Die Schwalben", beide 1873 in Berck-sur-Mer entstanden. Plein air-Malerei blieb ein Zwischenspiel, ebenso wie Manets impressionistische Phase, die sich streng genommen auf eine Handvoll Bilder aus der Sommerfrische des Jahres 1874 in Argenteuil beschraenkt. Der Ausstellungsbesucher muss sich mit der kleinen Tafel "Familie Monet im Garten" begnuegen, ergaenzt um Renoirs Version desselben Motivs. Die Hauptwerke dieser Periode, die Manets Naehe und Differenz zum Impressionismus offenbaren, fehlen dagegen: "Argenteuil", "Im Boot" und "Monet beim Malen in seinem Atelierboot", alle im Sommer 1874 in Argenteuil an der Seine entstanden. So bleibt nur das charmante, aber unpraetentioese Bild der Familie Monet als charakteristisches Zeugnis fuer Manets Beschaeftigung mit dem Impressionismus, die in der Tat peripher war. Nur gelegentlich griff er noch auf die impressionistische Technik zurueck, so in den Ansichten der Rue Mosnier aus dem Jahr 1878, von denen die "Rue Mosnier mit Flaggen" in der Ausstellung vertreten ist. Mit Ruecksicht auf das Thema Impressionismus und seine Leitgattung, die Landschaft, zeigt die Ausstellung schwerpunktmaessig Landschaften und Szenen im Freien. Da Manet aber in erster Linie Figurenmaler war, gehoeren die Stadtansichten, Strandbilder und Seestuecke nicht zu seinen staerksten Werken. Ein Handicap ist die Tatsache, dass trotz internationaler Leihgeber aus Europa und den USA und trotz Überlassung einer umfangreichen Schweizer Privatsammlung zu viele marginale Arbeiten von Manet zusammenkamen. An Hauptwerken sind "Die Eisenbahn", 1872/73, und der "Wintergarten", 1879, vorhanden. Als weitere charakteristische, qualitaetvolle Arbeiten sind zu erwaehnen: "Das Rennen von Longchamps", 1867, "Krocketspiel³, 1873, "Beim Père Lathuille", 1879, mehrere Portraets zwischen 1879 und 1881, die Zuercher Version von "Rocheforts Flucht" ueber das aufgewuehlte Meer, 1881, und einige kleinformatige Ansichten von Haus und Garten in Kurorten, in die sich Manet in seinen letzten Lebensjahren einmietete. Experimentelle, unvollendet gebliebene Bilder, z.B. die "Weltausstellung", 1867, "Am Strand von Boulogne", 1869, oder das zentrale Doppelportraet des Ehepaars Monet, 1874, sind fuer den Spezialisten vielleicht interessant, bieten fuer den normalen Ausstellungsbesucher aber wenig Reiz. Vor allem das Doppelportraet der Staatsgalerie tut sich schwer mit seiner Funktion als Angelpunkt der Ausstellung. Die Mehrzahl der uebrigen Bilder und Studien ist von untergeordnetem Interesse. Die Vergleichsbeispiele anderer Kuenstler sind ebenfalls von unterschiedlicher Qualitaet. Von Monet gibt es einige erstklassige Werke, darunter die "Segelboote auf der Seine", 1874, aus San Francisco, und die Stuttgarter "Felder im Fruehling", 1874. Renoir ist mit kleinformatigen Landschaften nicht besonders vorteilhaft vertreten. Das gilt auch fuer seine Version der "Familie Monet", die 1874 parallel zu Manets Bild entstand. Das Portraet "Madame Choquet in Weiss", 1875, ebenfalls aus dem Besitz der Staatsgalerie, bietet dafuer wenigstens reichlich Entschaedigung. Weder Degas noch Morisot sind dagegen angemessen repraesentiert, der eine mit einem atypischen, die andere mit einem unbewaeltigten Portraet. Immerhin sieht man von Degas einige schoene, grossformatige Aktpastelle, gleichfalls aus Stuttgart. Die Strategie der Ausstellung, die gegenseitige Beeinflussung zwischen Manet und den Impressionisten darzustellen, ist nur in Teilen geglueckt. Manet war kein Wegbereiter des Impressionismus im engeren Sinn. Die ersten Bilder von Monet und Renoir in impressionistischer Technik waren in den spaeten 60er Jahren entstanden, lange vor Manets plein air-Studien in der Normandie. Ihre Vorlaeufer und erklaerten Vorbilder waren die Barbizon-Maler, die deshalb auch mit einigen Werken in der Ausstellung vertreten sind. Umgekehrt experimentierte Manet 1874 intensiv mit der Freilichtmalerei und der impressionistischen Umsetzung des Motivs. Dazu fehlt der Ausstellung aber das Anschauungsmaterial, weil die Hauptwerke dieser Phase bis auf "Familie Monet im Garten" wohl nicht zu entleihen waren. Manet ist auch nach 1874 nicht zum Impressionisten geworden. Seine wichtigen Werke entstanden weiterhin fast ausnahmslos im Atelier. Seine Malerei behielt ihre festen Konturen, ihre tonigen Farbflaechen und Lokalfarben, wenn auch der Pinselstrich lockerer und die Palette heller und vielfaeltiger wurden. Das einzige gewichtige Werk dieser Zeit, das die Stuttgarter Ausstellung praesentieren kann, der "Wintergarten" mit dem Ehepaar Guillemet, zeigt das mit wuenschenswerter Deutlichkeit. Die Figuren werden nicht mit Farben modelliert, sondern durch Licht, Schatten und Konturen. Selbst das Gruen im Hintergrund ist als botanische Spezies erkennbar und gibt weder seine Form noch seine Lokalfarbe zugunsten der Lichtwirkung auf. Wie man es von Manets Farbenoekonomie gewohnt ist, spielen Schwarz, Grau und Beige die Hauptrolle, sekundiert vom Gruen der Pflanzen, dem Gelb im Aufzug von Madame Guillemet und wenigen Blau- und Rottoenen. So wenig sich Manet fuer den Impressionismus in Anspruch nehmen laesst, so konsequent vermied er jede oeffentliche Kooperation mit dessen Protagonisten. Es ist hinlaenglich bekannt, dass er es ablehnte, mit ihnen gemeinsam auszustellen. Dass ihm dennoch der Ruf des Chef-Impressionisten anhing, ist ein Treppenwitz der Kunstgeschichte, vielleicht seiner freundschaftlichen Verbindung zu Claude Monet und dessen Kreis geschuldet. Manet stand als avantgardistischer Maler im Mittelpunkt einer oeffentlichen Kunstdebatte, ausgehend von der Zulassung bzw. Ablehnung seiner Werke bei den jaehrlichen Kunstausstellungen im Herbstsalon. Seit dem Skandal um sein "Fruehstueck im Gruenen" und "Olympia" teilte sich das intellektuelle Paris in Verteidiger und Schmaeher Manets. Da war die Unterstellung, er sei der Anfuehrer einer Bande verirrter Maler, eine weitere Waffe in der Hand konservativer Kunstkritiker, mit denen er im Dauerzwist lag. Den Beweis erbringt auch die Stuttgarter Ausstellung nicht. Websites zu Edouard Manet: http://www.staatsgalerie.de (Homepage Staatsgalerie Stuttgart: Knappe Informationen zur Manet-Ausstellung mit wenigen Abbildungen ) http://www.mystudios.com/manet/manet.html (Umfangreiche Manet-Site: zahlreiche Abbildungen, Briefe u.a.) http://www.artcyclopedia.com/artists/manet_edouard.html (Umfangreiche Manet-Site: zahlreiche Abbildungen und Links) -------------------------------------------------------------------------- Copyright (c) 2002 by H-MUSEUM, all rights reserved. This work may be copied for non-profit educational use if proper credit is given to the author and the list. For other permission, please contact editor@museumslist.net. If you like to review an exhibition, a book or a media on museological topic, please contact: marra@museumslist.net WWW: http://www.h-museum.net -- H-MUSEUM H-Net Network for Museum Professionals E -Mail: h-museum@h-net.msu.edu WWW: http://www.h-museum.net
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