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------------------------------------------------------------------- Das verborgene Feuer. Der Bauernfuehrer Joss Fritz und die Bundschuhaufstaende am Oberrhein im fruehen 16. Jahrhundert Bruchsal, Schloss Bruchsal 22. Februar - 5. Mai 2002 Rezensiert fuer "Museum Professionals" und Virtual Library Museen von Dr. Sven Lembke, Lehrstuhl fuer Mittelalterliche Geschichte der Universitaet Freiburg i. Br. Email: <Sven.Lembke@geschichte.uni-freiburg.de> Joss Fritz inmitten der bischoeflichen Residenz in Bruchsal! Ein Bauer, noch dazu ein Anfuehrer zweier Aufstaende im 16. Jahrhundert inmitten des Prunks der weitlaeufigen, von herrschaftlichem Glanz strahlenden Barockanlage seines bischoeflichen Herrn. Dieses Treffen ergibt sich nur in einer anachronistischen Logik. Das grossartige Schloss, in dem die Ausstellung "Das verborgene Feuer. Der Bauernfuehrer Joss Fritz und die Bundschuhaufstaende am Oberrhein im fruehen 16. Jahrhundert" stattfindet, ist ein Bau, der von Damian von Schoenborn, Speyerer Bischof, entworfen und ab 1720 umgesetzt worden ist. Der historische Joss Fritz hat tatsaechlich diese Residenz nie betreten. Ja, selbst in den Vorgaengerbau hat der historische Joss Fritz vermutlich keinen Zutritt erhalten. Sein Plan, Bruchsal zu stuermen, scheiterte 1502. Nur als Gegenstand historischer Erinnerung zieht er hier ein. Joss Fritz stammt aus Untergrombach, nunmehr einem Stadtteil der Stadt Bruchsal. Die von ihm betriebene Verschwoerung der Bauern und Unzufriedenen, in den Worten der Zeit die Aufrichtung eines Bundschuhs, datiert auf das Jahr 1502 und ist nunmehr glatte 500 Jahre vergangen. Mit diesem Jubeljahr seines Helden legitimiert, schlaegt nun die Ausstellung "Das verborgene Feuer", die vom Stadtarchiv und dem Staedtischen Museum Bruchsal veranstaltet wird, einen Bogen von baeuerlichen Aufstaenden des 16. Jahrhunderts am Oberrhein zu spaetmittelalterlichen Lebenswelten allgemein. Sie ist Teil des Ausstellungszyklus "Um 1500: Epochenwende am Oberrhein" (http://www.um1500-vers1500.org/deutsch/Bruchsal/Schloss-Bruchsal.html ), der seit dem September 2001 Ausstellungen am Oberrhein, darunter z. B. die kuerzlich beendete Landesausstellung "Spaetmittelalter am Oberrhein" in Karlsruhe, als thematische Einheit darstellt und verbindet.[1] Die Ausstellung Die Ausstellung kuendigt sich den Besuchern schon im Treppenhaus an. Auf grell roten Plakaten leuchtet das Wort "Freiheit" von der Seitenwand. Zeigt das erste Plakat noch Freiheit im modernen Schriftzug, wandelt sich nach und nach und jeweils zeittypisch das Schriftbild, bis man schliesslich am Ende der Treppe im 16. Jahrhundert und damit am Beginn der Ausstellung angekommen ist. Hier begruesst die Besucher die Figur eines kriegerischen, vielen wohl noch aus Schulbuechern vertrauten Bannertraegers, der obwohl nur von Pappe, allerdings fester, aufrecht das Panier der "Frÿheit" traegt. Der erste Raum soll offenbar auf die spätmittelalterliche Lebenswelt einstimmen. Dies geschieht mit Stellwaenden oder grossformatigen Wandillustrationen, die knappe und zumeist sachlich zutreffende Texte und vor allem hochwertige Reproduktionen von Bildern des 16. Jahrhunderts zeigen. Dabei geht es z. B. um "Die Epoche des Geldes" oder "Die Heimat des Joss Fritz". Als eigentliche museale Exponate lenken spaetmittelalterliche Plastiken von St. Kosmas und Damian, die aus dem Freiburger Augustinermuseum stammen, den Blick auf sich. Diese Heiligen stehen hier, weil sie als Patrone der Untergrombacher Dorfkirche verehrt wurden. Schon nach einem ersten Umblick ist klar: Hier wurde nicht die Zurschaustellung besonderer Objekte beabsichtigt, die Wuerde und Aura durch Geschichte und Tradition erlangt haben, sondern die Praesentation eines historischen Themas. Die Art und Weise, wie das geschieht, ist nicht auf den akademischen Spezialisten ausgerichtet, sondern auf den interessierten Besucher. Denn wer wuerde an den Forschungen Peter Moraws zur "Verdichtung" politischer Handlungsstrukturen im Spaetmittelalter [2] geschult eine Ausstellung mit dem Wort Ricarda Huchs einleiten wollen? "Man lebte im Reich wie in einem sehr alten Bau, wo man zuweilen bei Nacht ein schauerliches Rieseln im Gemaeuer zu hoeren und ein Schwanken unter den Fuessen zu spueren glaubt". Bildet das Reich doch erst in dieser Zeit einen "institutionalisierten Dualismus" zwischen einer festeren Reichsorganisation und der kaiserlicher Herrschaft aus. Auch wird nicht jeder unter der Ueberschrift "Die Staende des Reiches" ein Tableau erwarten, das Buerger, Kaiser, regionalen Adel, Bischof und den Juristen ("ein umstrittener Fachmann") zu einer Einheit zusammenfuegt. Hier geht es offenbar vorrangig um das Atmosphaerische, nicht um praezise Beschreibung von Handlungsbedingungen. Der Raum schliesst mit einer Darstellung der baeuerlichen Welt, zwecks Anschaulichkeit findet hier eine grosse Reproduktion von Cornelis van Dalen Verwendung - wie bei den anderen Bildern regiert kein strikter Bezug zu den Bauernunruhen und zum oberrheinischen Raum. (Cornelis van Dalen, selbst in einem kaufmaennisch gepraegten Kontext sozialisiert, schuf seine Werke in den Niederlanden). Anschaulichkeit und Charme gewinnt die grossflaechige Reproduktion, indem sie mit Hilfe eines alten Schubkarren, Strohs und agrarischer Utensilien eine handgreifliche Komposition zu einer laendlichen Szene komplettiert. Gedeutet wird das Bild als Ausdruck des baeuerlichen Elends. Damit ist ein Uebergang - inhaltlich wie raeumlich markiert - geschaffen, der jetzt zur langgestreckten Flucht ueberfuehrt, in der "Der Bundschuh" thematisiert wird. In diesem eigentlichen Hauptteil werden ganz verschiedene Bezugspunkte zu den Aufstaenden des Joss Fritz und seiner "Nachfolger" angesprochen. Ein starker Akzent liegt anfangs auf den gewalttaetigen Verfolgungen aufstaendischer Bauern durch die Herrschaftstraeger; Tafeln informieren zuverlaessig ueber "Joss Fritz: Leben und Zeit" oder Absichten und Forderungen des Bundschuhs von 1502. Gleichsam wie durch Lernhilfen oder Stichworte gefuehrt erfahren die Besucher anhand von Stellwaenden und reproduzierten Abbildungen, welche Bedeutung das Symbol des Bundschuhs errang und welche Merkmale verschiedene soziale Lagen z. B. die der Adligen, der Geistlichen oder der Vaganten charakterisierten. Suggestiv, fast im Stile einer modernen kuenstlerischen Installation praesentiert sich auf diesem paedagogischen Geschichtspfad Joss Fritz im Urteil der Zeiten - wiederum eine grosse Figur aus Pappe, die aus echtem Herbstlaub emporragt und umgeben wird von verschiedensten Zitaten. In ihnen kommen ein anonymer Bundschuhgegner seiner Zeit ebenso zur Sprache wie August Bebel als engagierter Parteigaenger der revolutionaeren Sache. Diese Zitatensammlung kann fuer die Uneindeutigkeit der Interpretation historischer Figuren sensibilisieren und die sonst strikte Linie, den Helden Joss Fritz und die baeuerlichen Opfer darzustellen, relativieren. In diesem raeumlichen Zusammenhang finden sich auch die wenigen, aber ueberlegt ausgesuchten Exponate, die aus der behandelten Zeit stammen. Hier ist vor allem das Protokollbuch des Landschreibers Georg Brentz zu erwaehnen, der schildert, "Wie sich ein buntschuch erhube und widder getilget warde". Wenig spaeter trifft der Besucher in einer Vitrine auf ein Schreiben "die pettler berurend", das die Erkennungszeichen (Zinken) verdaechtiger Personen (vgl. S. 237 im Begleitband) auffuehrt. Kombiniert mit einem Dolch soll das Dokument wohl die Suggestion eines echten Fahndungsszenarios nach den Aufstaendischen schaffen, halb anschauliche Spielerei, halb Spekulation. Angesichts der paedagogischen Ausrichtung waere hier in jedem Fall eine Transkription der gezeigten Texte sinnvoll gewesen. Natuerlich fehlt nicht eine Auseinandersetzung mit dem zweiten Aufstand, zu dem Joss Fritz seine Mitstreiter in der Naehe Freiburgs bewegte, dem sogenannten Lehener Bundschuh 1513. In loser Verbindung zur Rezeption dieser Unruhen in der zeitgenoessischen Publizistik sind einige Abbildungen und Exponate wie ein Exemplar von "Das Narrenschiff vom Bundschuh" versammelt. Das Bild einer Hinrichtungsszene signalisiert, wie blutig der Widerstand gegen die Herrschaft bezahlt werden musste. Was uns als brutale Verfolgung erscheint und erscheinen soll, wurde damals als Akt der Gerechtigkeit zelebriert. Schade, dass im Zusammenhang damit nicht ein echtes Hinrichtungsschwert gezeigt wird, das ja mit seinen zumeist programmatischen Inschriften auf der Klinge auf das Recht der Herrschaft verweist. Stattdessen sehen wir ein blankes Toetungsinstrument, ein Schwert des 16. Jahrhunderts aus dem Besitz eines anonymen Sammlers. Gewalt von Seiten der Verfolger, Gewalt der aufstaendischen Bauern, damit ist der Uebergang zum Bauernkrieg assoziativ verbunden. Ein nachgestelltes Lager der Bauernkrieger, eher ein atmosphaerischer Hinweis als sachdienlicher Informationsquell, kombiniert eine ganz unspezifische Szene mit Lagerfeuer, Speer und Hellebarden. Die sonst anklingende Tendenz, die Aufstaendischen zu Revolutionaeren in einem fruehkapitalistischen Umfeld zu erklaeren, wird durch Auskuenfte ueber "Der Bauernkrieg - kein Krieg der Bauern" klar relativiert. Ob man allerdings ganz im Stile jener Tradition von Intellektuellen als einer der beteiligten Gruppen sprechen kann, erscheint mir fraglich. Die Ausstellung klingt aus mit einem Medienraum, in dem Schuelerarbeiten zu Joss Fritz - das kulturelle Gedaechtnis arbeitet - und eine Videodokumentation zum Themenkomplex zu sehen sind. In die Gegenwart entlassen wird der Besucher ueber einen intelligent gestalteten Ausgangsbereich. Hier verweisen Buecher, Bilder und Zeitungen aus dem 19. und 20. Jahrhundert auf die vielfaeltige Rezeption des Joss Fritz und des Bundschuhs. Mit Joss Fritz laesst sich die Stimme der Heimat, so gut wie des Sozialismus oder Nationalsozialismus anschlagen. Selbst die DDR-Kulturschaffenden mochten nicht von ihm lassen. Insgesamt eine historisch belehrende, ansatzweise wohl eher staatsbuergerliche gemeinte als historisch analytische Ausstellung, die ansprechen und einen ersten Eindruck von sozialen Bedingungen geben kann. Eine kohaerente argumentative Linie, eigentlich bei einer Ausstellung, die auf beruehmte Exponate verzichten muss, Pflicht, bleibt nicht immer strikt gewahrt. Die Ausstellung will nach eigenem Bekunden "Ursachen, den Verlauf und die Folgen der Bauernkriege hinterfragen (sic!)", "der Epoche und ihren Menschen ein vorurteilsfreies (sic!) Denkmal setzen, ohne sie auf einen Sockel der Verherrlichung zu heben" und schliesslich der Geschichte der Freiheitsidee huldigen. Vielleicht ein bisschen zu viel und nicht ganz auf den Punkt gebracht. Dennoch unverkennbar: hier wird mit grossem Eifer, Sachverstand und viel gutem Willen um die Vergegenwaertigung eine bedeutenden geschichtlichen Epoche gerungen und den Besuchern und Besucherinnen eine Tuer zum Spaetmittelalter geoeffnet. Der Katalog - die Publikation zur Ausstellung Thomas Adam: Joss Fritz - das verborgene Feuer der Revolution. Bundschuhbewegung und Bauernkrieg am Oberrhein im fruehen 16. Jahrhundert, Bruchsal 2002 (Veroeffentlichungen der Historischen Kommission der Stadt Bruchsal, 20). 320 S. mit zahlreichen, z.T. farbigen Abb., fester Einband. ISBN 3-89735-192-7. Euro 17,90. Was als Katalog fungiert und auch so verkauft wird, ist eigentlich eine eigenstaendige Publikation, die sich ganz ohne die Ausstellung darbieten koennte. Das hier besprochene Buch übernimmt allerdings insofern die Funktion eines Katalogs, als es wohl alle in der Ausstellung verwendeten Illustrationen hier in sehr guter Qualitaet darbietet, vorstellt und ansprechend kommentiert. Der Autor, zugleich auch der Organisator der hier vorgestellten Ausstellung, verschreibt sich mit großen Engagement seinem Thema. Ueber Joss Fritz, das ist ihm klar, kann eine Biographie eigentlich nicht geschrieben werden, zu wenig bietet die historische Ueberlieferung, um aus der Person heraus die gesellschaftlichen Geschehnisse dieser Zeit zu deuten und zu erklaeren. Deswegen muessen allgemeine gesellschaftliche Zustaende thematisiert und dann gleichsam ansatzweise auf das Drama des Mannes ausgerichtet werden. Und doch wird immer wieder einmal in den Darlegungen die Persoenlichkeit des Joss Fritz als Raetsel dargestellt, das es zu loesen gelte. Im flotten Stil fuehrt der Autor in eine historische Welt ein. Dazu werden allgemeine Aussagen ueber die kulturellen Bedingungen in der Zeit um 1500 formuliert, aber auch detaillierte Recherchen ueber die sozialen Verhaeltnisse in Obergrombach, dem Geburtsort, Bruchsal und Lehen durchgefuehrt. In sechs Kapiteln wird zuerst ueber die Voraussetzungen baeuerlicher Opposition, den Aufstaenden dieser Zeit bis hin zu den Bauernkriegen und dann schliesslich vom Nachleben des Joss Fritz bis ins 20. Jahrhundert berichtet. Mit guter Sachkenntnis historischen Materials zeichnet der Autor trotz aller Sympathie fuer Joss Fritz und seine Genossen nicht das Bild des bedrueckten Bauern im Stile der Feudalismuskritik des 18. und 19. Jahrhunderts. Er weiss von vermoegenden Bauern zu berichten, von der relativen Flexibilitaet herrschaftlicher Zumutungen, ohne dabei aus den Augen zu verlieren, dass die Bauern selbstverstaendlich eine in vieler Hinsicht entrechtete soziale Lage ausleben und ertragen mussten. Nicht ganz so kritisch geht der Autor mit den Begriffen um, die das Aufbegehren der Maenner um Joss Fritz klassifizieren sollen. Die Darstellung verfolgt dabei eher den Tenor, in dieser Zeit eine fruehbuergerliche Revolution mit einer dementsprechenden Freiheitsbewegung zu sehen, ja Adam spricht auch von "Geheimbund" und "Untergrundorganisation" (S. 88); Joss Fritz ist "Berufsrevolutionaer" (S. 85 u. 132). Die Freiheit, um die der Autor seine Protagonisten ringen laesst, hat trotz mancher Relativierung (S. 94ff) zuweilen eher den Anschein eines sozialrevolutionaeren Klassenkampfes. Bei seiner Schilderungen der Ablaeufe gleitet Adam mitunter in ein assoziatives Raesonieren, zuweilen auch Spekulieren, das nicht immer ueberzeugt. So beginnt er einmal seine Darlegungen zur Charakteristik des Joss Fritz als eines politischen Fuehrers (S. 90ff) mit einem Zitat des Meister Eckeharts, der ueber "Wunder tun mit Worten" sprach, klassifiziert dann Joss Fritz als charismatischen Fuehrer, blickt dann auf die "hysterischen Wellen der Heiligenverehrung", die "ueber das Land brandeten", attestiert seinen Bauern "dumpfe" Sinnesart, sieht sonach in der volkstuemlichen Gebetssymbolik "viel Mittelalterliches" etc. Solche losen argumentativen Verbindungen buendeln Deutungen und Informationen zu ganz unterschiedlichen Gesichtspunkten. Darunter leidet das argumentative Profil, und das Buch wird passagenweise zu einem reichlich gefuellten Sammelbecken mehr oder minder bedenkenswerter Ueberlegungen. Schluessig ist der Autor ueberall dort, wo er aus genauer Kenntnis konkreter Ueberlieferung lokale Zustaende rekonstruiert. Man bedauert dabei nur, dass der Autor auf Fussnoten verzichtet hat, so dass die Weiterarbeit mit seinen Ergebnisse schwieriger als noetig ist. Auch ein Register waere nuetzlich gewesen. Die im Buch gezeigten Illustrationen sind zahlreich, durchweg sehr ansprechend und liegen durchaus ausserhalb des ikongraphischen Kanons, der sich um das Thema Bauern und Bauernkrieg natuerlich laengst gebildet hat. Als ein Buch, das gerade nicht akademische Diskussionen fortfuehren, sondern dem Publikum auf hohem Niveau Informationen geben und ein Zeitpanorama zeichnen will, ueberzeugt diese Publikation. Besonders bemerkenswert scheint mir das letzte Kapitel, das wie in der Ausstellung von den verschiedenen Vereinnahmungen des Joss Fritz berichtet, wenn auch ohne die Gelegenheit zu nutzen, den eigenen Blick zu historisieren. Die Lektuere dieses Kapitels sei allein schon deswegen empfohlen, weil man erfaehrt, wer (S. 279) zur Zeit der nationalsozialistischen Machthaber als "der Adolf Hitler des Mittelalters" gelten konnte. Die Ausstellung im Internet: www.bundschuh-web.de Nach der attraktiven ersten Seite wird man zu einer vertrauten Werbegrafik weitergeleitet, die Informationen und Angebote zum Gedenkjahr in Bruchsal sammelt. Dort erhaelt man sein "Willkommen auf der Bundschuh-Website der Stadt Bruchsal". Im Stile eines Gemeindeboten, der das Feierjahr annonciert und vermarktet, werden eine Reihe nuetzlicher Informationen zusammengetragen. Zwischen Veranstaltungen, deren Reihe noch weit bis ins Jahr 2002 hineinreicht, Grussworten und einer pointierten historischen Hinfuehrung zu Joss Fritz findet sich der Verweis auf die Ausstellung (http://www.bundschuh-web.de/frame1.htm ). Ein eigenes Icon lenkt den Benutzer. Die Ausstellung selbst bleibt blass, spielt eigentlich keine Rolle; ihre Rezeption in der regionalen Presse und vor allem das hier auch vorgestellte Buch von Thomas Adam wird mit Nachdruck unter anderem mit ausfuehrlichen Leseproben verschiedener Kapitel praesentiert. Ein kurzer Blick auf die Grussworte zur Ausstellung ermoeglicht eine leichte Situierung von Joss Fritz als Thema des kulturellen Gedaechtnisses (http://www.bundschuh-web.de/jubi.htm ). Ein politischer Gegenwartsbezug ist Pflicht. "Denn Joss Fritz ist eine Gestalt nicht nur der Geschichte von Untergrombach, Bruchsal oder der naeheren Umgebung. Er ist vielmehr eine Gestalt der deutschen Geschichte ueberhaupt." Warum wirkt manches in der Schilderung nur so nah und modern, obwohl dieser Held doch der Geschichte gehoert? Es klingt wie ein fuersorgliches Angebot an unsere politischen Mandatstraeger, wenn die Organisatoren formulieren, dass die Rebellion "auch unter aktuellen politischen Gesichtspunkten" zu befragen sei und dass der Aufstand herbeigefuehrt worden sei durch "eine immer weitergehende Belastung des Landvolks durch Abgaben, eine aufgeblaehte Hierarchie und komplizierte juristische Ordnungsstrukturen" und "zu einer im Kern konservativen Revolution" deklariert werden muesse? Ministerpraesident Teufel hat nach eigener Aussagen "eine besondere Freude" darueber empfunden, "die Schirmherrschaft fuer das Gedenkjahr zu Ehren des Bauernfuehrers Joss Fritz zu uebernehmen (http://www.bundschuh-web.de/gruss3.htm). Ihm ist der Bundschuh eine Bewegung, die "gegen die schleichende Entmuendigung des Volkes und gegen eine als ungerecht empfundene Gesellschaftsordnung aufzustehen bereit war." Der Ministerpraesident beschwoert in seinem Grusswort einen Landesgeist aus tiefem Boden, ja er spricht von den "vielfaeltigen geschichtlichen Wurzeln" "unseres Landes", wenn er das Landesjubilaeum "50 Jahre Baden-Wuerttemberg" und die Bauernerhebung 450 Jahre vor der Konstitution Baden-Wuerttembergs zusammenbringt. Denn es seien die "Freiheitsbewegungen im deutschen Suedwesten, die Bauernkriege ebenso wie die badische Revolution von 1849, die "zum Wertvollsten aus dem historischen Nachlass unseres Landes" gehoerten. Nach so eindeutig formulierten Identifikationsgeboten darf man mit Spannung erwarten, wie die von Prof. Dr. Peter Blickle geleitete Tagung am 11.-13. April 2002 "Untergrombach 1502: das unruhige Reich und die Revolutionierbarkeit Europas" zwischen Belangen akademischer Forschung und den Beduerfnissen oeffentlichen Gedenkens vermittelt. (Fuer das Programm s.u. http://www.bundschuh.web.de/11aprprog.htm ) Anmerkungen: [1] Landesausstellung Baden-Wuerttemberg 2001 "Spaetmittelalter am Oberrhein" (Karlsruhe, 29.9.2001-3.2.2002). Ausstellungsbesprechung fuer "Museum Professionals" und Virtual Library Museen von Katrin Westermann, M.A., Bamberg http://www.hclist.de/pipermail/museum/2001-November/000640.html [2] Peter Moraw: Von offener Verfassung zu gestalteter Verdichtung. Das Reich im spaeten Mittelalter 1250-1490, Berlin 1985 [Propylaeen Geschichte Deutschlands, 3]. -- Copyright (c) 2001 by VL-Museen, 'Museum Professionals', all rights reserved. This work may be copied for non-profit educational use if proper credit is given to the author and the list. For other permission, please contact editor@museumslist.net . If you like to review a exhibiton, book or media on museological topic, please contact: marra@museumslist.net WWW: http://www.museumslist.net ; http://www.VL-Museen.de
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