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Ausstellungsgestaltung Date: Date: Tue, 8 Jan 2002 11:05:42 +0100 ------------------------------------------------------------ Ulrich Schwarz / Philipp Teufel (Hg.): Handbuch Museografie und Ausstellungsgestaltung, Ludwigsburg: av Edition 2001. 240 Seiten; EUR (D) 49,- / EUR (A) 50,40 / SFr 114,-. Rezensiert fuer "Museum Professionals" und Virtual Library Museen von: Jana Scholze, Berlin <jana.scholze@gmx.de> Endlich ist es da: ein Buch zur Gestaltung von Ausstellungen! Noch dazu ein Handbuch. Mit umfangreichem exzellenten Photomaterial, mit anregenden Handskizzen und Computergrafiken, mit Texten verschiedener Ausstellungsgestalter und mit der Vorstellung unterschiedlichster Ausstellungsprojekte - von Jahrhundertschauen bis zu Geheimtipps. Es ist unbestritten, dieses Buch wurde sehnsuechtig erwartet; nicht nur von Studenten, wie einige Autoren bemerken, sondern von fast allen, die in irgendeiner Weise mit Ausstellungen zu tun haben. Der Titel des Buches Museografie und Ausstellungsgestaltung provoziert meist schon die Frage: Was ist Museografie? Innerhalb von Museen scheint Museografie ein unbekannter, unter Gestaltern dem Buch zufolge ein vertrauter Terminus zu sein. Soll der Titel auf einen intendierten Leserkreis hindeuten? Zumindest verweist er auf die Autoren: Ausstellungsgestalter, Architekten und Kommunikationswissenschaftler. Einfuehrend wird auf das grundsaetzliche Fehlen spezifischer Ausstellungstermini bzw. praeziser Definitionen hingewiesen. Neben der Bezeichnung der Ausstellungsgestaltung wird die des Ausstellungsdesigns und der vom Themenpark der EXPO 2000 bekannte Begriff der "Szenografie" genannt. Die darauf folgende Definition kann als Versuch gewertet werden, die zwei temporal verschiedenen Ausstellungstypen zu unterscheiden, die temporaere und die permanente. Demnach werden mit Museografie "alle Gestaltungsaufgaben fuer Dauerausstellungen, welche die Museumssammlung praesentieren sollen" bezeichnet. (Ruedi Baur fuehrt spaeter sogar die Profession des Museografen ein; verwirrenderweise allerdings im Zusammenhang mit temporaeren Ausstellungen). Ausstellungsgestaltung oder -design bezieht sich demgegenueber auf "temporaere Ausstellungen, die ein Thema in den Mittelpunkt stellen oder eine Idee praesentieren". Man kann nur wuenschen, dass damit die schon lange dringend noetige Diskussion um praezise Definitionen im Ausstellungsbereich angestossen wird. Das Buch selbst widmet sich diesem Problem im Weiteren aber nicht. Der Band gliedert sich in eine Einfuehrung, Exkurse und Projekte. In der Einfuehrung werden mit drei Beitraegen neben der Begriffsbestimmung Interdisziplinaritaet im Arbeitsprozess, die Entstehungsphasen einer Ausstellung und professionelle Ausstellungsplanung thematisiert. Undeutlich ist die Differenzierung dieser einfuehrenden Beitraege zu den folgenden Exkursen. Eine moegliche Unterscheidung waere die am Beispielprojekt erlaeuternde Behandlung eines Themas, was aber nicht konsequent in allen Beitraegen der Exkurse durchgehalten wird. Gerade Beitraege wie von Martine Scrive "Zur Konzeption wissenschaftlicher Ausstellungen" oder von Annette Noschka-Roos ueber "Bausteine eines besucherorientierten Informationskonzepts" sind von grundlegender, keinesfalls exkursiver Art. Mit sehr klaren Gliederungen bieten diese Texte praegnante, anregende Einfuehrungen anhand von gut ausgewaehlten Beispielen sowie die wichtigsten Stichworte zum jeweiligen Schwerpunkt der Ausstellungsarbeit. Andere Texte der Exkurse behandeln die Familienfreundlichkeit und allgemein das Thema Kommunikation im Museum sowie wiederholt die Themen Ausstellungsplanung und Interdisziplinaritaet an konkreten Projektbeispielen. Die abschliessenden acht Ausstellungsprojekte sind aufgrund der differierenden Inhalte und Kontexte gut ausgewaehlt, obwohl die Kriterien dieser Auswahl nicht transparent werden und eher willkuerlich erscheinen. Angebracht waere beispielsweise die Unterscheidung der Projekte nach Museografie und Ausstellungsgestaltung, womit die Differenz der beiden Termini noch deutlicher haette unterstrichen werden koennen. (An keiner Stelle des Buches wird diese Unterscheidung dezidiert wieder aufgenommen und begruendet.) Die Projekte werden anhand von Dokumentationsphotos der Ausstellungen, meist ergaenzt durch Grundrisse, Skizzen und Texte, vorgestellt. Leider sind die Texte zu den Projekten in ihrem Umfang und Inhalt oft so knapp, dass die visuelle Vorstellung durch das ausgezeichnete Photomaterial nur selten inhaltlich erweitert oder gar vervollstaendigt wird. Abschliessend muss Zweifel ueber die deklarierte Handbuchqualitaet geaeussert werden. Eine typische Ordnung oder Gliederung zum Nachschlagen spezifischer Stichworte oder Themen bietet das Buch nicht. Die Beitraege decken nur bedingt das gesamte Themenspektrum der Ausstellungsgestaltung ab; "technische" Hinweise beispielsweise zu Projektvertraegen, Finanzierungsmodellen usw. fehlen. Zudem werden in etlichen Texten ausschliesslich persoenliche Erfahrungen referiert, was zwar wertvolle Einblicke liefert, dem allgemeinen Charakter eines Handbuchs jedoch nicht gerecht wird. Vielleicht waren sich auch die Herausgeber des Buches ueber den Handbuchcharakter nicht sicher und haben aus diesem Grund den klassifizierenden Terminus sehr klein, fast verloren und ohne Zusammenhang zum Titel auf den Buchdeckel gesetzt. Joern Borchert schreibt in seinem Beitrag: "Museen sind Schatzinseln, die entdeckt werden wollen". Ich glaube, dass dies auch fuer die theoretische Diskussion um Museum wie Ausstellung gilt. In diesem Sinne ist das Buch ein wertvoller, wie gesagt, lang ersehnter Beitrag zur Auseinandersetzung mit den Inhalten und Gestaltungsformen von Ausstellungen sowie zur Aufklaerung ueber die dafuer notwendigen Arbeitsprozesse. Es bleibt zu hoffen, dass das Buch den Beginn einer langen Reihe von Publikationen zum Thema Ausstellung anzeigt.
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