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-------------------------------------------------- Spaetmittelalter am Oberrhein Grosse Landesausstellung Baden-Wuerttemberg Maler und Werkstaetten 1450 - 1525, Staatliche Kunsthalle Karlsruhe Alltag, Handwerk und Handel 1350 - 1525, Badisches Landesmuseum Karlsruhe 29.09.2001 - 03.02.2002 WWW: http://www.spaetmittelalter.de Rezensiert von Katrin Westermann, M. A., Bamberg <katrin.westermann@gmx.de> Katalog: Spaetmittelalter am Oberrhein, Teil 1: Maler und Werkstaetten 1450 -1525. 440 Seiten, 500 Abb. 25 x 30 cm, Paperback, Stuttgart, Jan Thorbecke Verlag, ISBN 3-7995-0200-9, Einfuehrungspreis 68,- DM, ab 01.01.2002: EURO 34,- , ab 31.03.2002: EURO 39,80. Teil 2: Alltag, Handwerk und Handel 1350 - 1525. Band 1: Katalogband, 440 Seiten, 700 Abb., 25 x 30 cm Paperback, Stuttgart, Jan Thorbecke Verlag, ISBN 3-7995-0201-7. Einfuehrungspreis 68,- DM, ab 01.01.2002: EURO 34,- , ab 31.03.2002: EURO 39,80. Band 2: Aufsatzband, Hg. von Soehnke Lorenz und Thomas Zotz im Auftrag des Badischen Landesmuseums Karlsruhe, 600 Seiten, 140 Abb., 25 x 30 cm Paperback, Stuttgart, Jan Thorbecke Verlag, ISBN 3-7995-0202-5. Einfuehrungspreis 68,- DM, ab 01.01.2002: EURO 34,- , ab 31.03.2002: EURO 39,80. Beide zusammen: ISBN 3-7995-0204-1, 118,-DM/ EURO 58,-. Alle drei Baende: ISBN 3-7995-0205-X, 158,- DM/ EURO 79,-. Die Ausstellung: Ein wahres Kaleidoskop des Spaetmittelalters wird im Badischen Landesmuseum gezeigt: laendlicher Ackerbau, staedtische Wehranlagen, medizinische Versorgung, Lehrangebote, Hausbau, Garten, Handelsmoeglichkeiten und Handwerkswaren. Dem Besuchern wird etwas geboten: zum Bestaunen, Betrachten und zum Anfassen. Der Rundgang beginnt auf der Treppe mit der Geschichte der Familie Kast aus Gernsbach. Anhand von Bildern und kurzen Lebenslaeufen kann die Geschichte dieser Familie von der Gegenwart bis ins Spaetmittelalter zurueckverfolgt werden. Geschichte wird so durch eine familiaere Chronik begreifbar und auch in ihren individuellen Zuegen nachvollziehbar. Einmal oben angelangt, ist man schon gut auf das Mittelalter eingestimmt. Dennoch ist die Pestepedemie von 1349, die im folgenden Raum inszeniert wurde, in ihrer Praesentation sehr erschreckend. Ein Pestkarren mit Ratten in einem dunklen Raum sowie viele Quellentexte zur Pest, die man sich am besten vom Acoustiguide erzaehlen laesst. Ein unwirtlicher und duesterer Ort, der zum Weitergehen verleitet. Im Ablauf der Ausstellung erfaehrt der Besucher etwas ueber das laendliche Leben der Bauern, Fischer und Bergleute am Rhein, der in der Mitte des Raumes plastisch dargestellt ist. Doch bevor dem Besucher nun der Einlass in die Stadt gewaehrt wird, prueft ein Torwaechter die Berechtigung. Der Torwaechter gehoert zu einer Schauspielgruppe, die Szenen um das Stadttor herum darstellen: eine Bettlerin, die ihre Lebensgeschichte so ergreifend schildert, dass sie eingelassen wird und ein Haendler, der Tuche aus aller Herrenlaender zum Markt tragen will. In der Stadt angelangt, wird man umfassend und fundiert informiert ueber die innere Organisation, die Zuenfte, Juden, den Markt, die medizinische Versorgung, das Bauwesen, Bildung, Bekleidung, Badekultur und vor allem die Kirchen und ihre Feste. Die einzelnen Ausstellungsbereiche sind architektonisch und teilweise auch farblich voneinander getrennt. Ein nachgebauter Kirchenraum informiert ueber Predigten und Ausstattungsstuecke, Marktstaende ueber Handelswaren und Geldstuecke. Beeindruckend ist immer wieder auch die grosse Vielfalt von Exponaten, Rekonstruktionen und Inszenierungen, die das Leben von der Pest bis zur Reformation sehr anschaulich und nachvollziehbar gestalten. Kurze, gut lesbare Texte und ein Acoustiguide, der mit spaetmittelalterlicher Musik und weiteren Hintergrundinformationen aufwartet, begleiten den Besucher durch die Ausstellung. Eine Schaenke mit mittelalterlichen Gerichten und Getraenken rundet das Bild einer gelungenen Praesentation ab. Auch die museumspaedagogische Begleitung innerhalb der Ausstellung kann sich sehen lassen. Fuer ganz junge Besucher gibt es sogar einen Werkstattraum, in dem sie Buchmalerei oder Buchdruckerei erlernen koennen, dem Kettenhemdmacher ueber die Schulter sehen koennen oder mittelalterliche Kleider anziehen koennen. Ganz anderes strukturiert ist dagegen die Ausstellung in der Staatlichen Kunsthalle. Die sakralen Bildwerke des Oberrheins werden in stilkundlich unterteilten Raeumen in Form einer konventionellen Bildergalerie dargestellt. Von der Malerei in Konstanz und Rottweil um 1450/1470 ueber Martin Schongauer bis hin zu Matthias Gruenewald, nebst anderen bedeutenden Altarretabeln des Oberrheins, wird die Malereigeschichte und die Verbindung der Goldschmiedetechnik mit dem Kupferstich vorgestellt. Durch Zeichnungen und Bildteppiche wird die Zusammenstellung der kunsthistorisch bedeutsamen Exponate erweitert. Unstrittig ist: bedeutende Meisterwerke treffen hier seit langer Zeit wieder am Oberrhein zusammen und bieten jedem Kunsthistoriker und interessiertem Kenner einen Augenschmaus der beruehmten Meister aus Colmar, Strassburg, Freiburg, Basel und Konstanz. Doch laesst die dem Eindruck einer klassischen Kunstausstellung anscheinend verpflichtende Praesentation gerade fuer den fachlich nicht vorgebildeten Besucher einige Wuensche offen. Der Rundgang durch die Epoche wird zusaetzlich erschwert durch die unterschiedlichen Zugangsmoeglichkeiten zu den einzelnen Raeumen. Die Texte deuten selten den Gesamtzusammenhang an (Religioesitaet im Spaetmittelalter). Bei der kunsthistorischen Einordnung auf den Tafel zu den Bildwerken wird die Ikonographie vernachlaessigt, so dass die notwendigen Informationen fuer Unkundige selten interessant zu lesen sind. Selbst kurzgefasste Erklaerungen, beispielsweise wie ein Kupferstich hergestellt wird, waeren fuer das Verstaendnis sehr hilfreich gewesen. Moderne museumsdidaktische Ansaetze, wie sie im oben beschriebenen Landesmuseum zu finden sind, sucht man in der Praesentation in der Staatlichen Kunsthalle vergebens. Trotz dieses didaktisch-paedagogischen Wermutstropfens: wer die spaetmittelalterliche Malerei des Oberrheins im Original und im kunsthistorischen Zusammenhang sehen will, fuer den ist diese Ausstellung eine Notwendigkeit. Die Kataloge: Der Katalog zu "Maler und Werkstaetten" heilt ein wenig den Mangel der Ausstellung in der Kunsthalle: kurze, praegnante Einfuehrungstexte zu einzelnen Malern oder Malergruppen stimmen ein auf die Objekte, die kunsthistorisch praezise aber leicht lesbar und anschaulich beschrieben werden. Hier wird nun auch endlich der Gesamtzusamenhang und die Intention der Ausstellung (Froemmigkeit s. o.) deutlich. Eine Anzahl von Vergleichsbildern, die in der Ausstellung nicht gezeigt werden, aber aufschlussreich fuer stilistische Zuschreibungen sind, ergaenzen die ausgestellten Werke, so dass der Katalog eine empfehlenswerte Ergaenzung zur Ausstellung ist. Die Begleitbaende zu Alltag, Handwerk und Handel-Ausstellung sind unterteilt in einen Aufsatz- und einen Katalogteil. Der Aufsatzband wurde in Verbindung mit der Abteilung Landesgeschichte des historischen Seminars der Universitaet Freiburg i. Br. sowie mit dem Institut fuer Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universitaet Tuebingen erstellt. Die relativ kurzen Katalogtexte erweitern das inhaltliche Spektrum der Ausstellung noch um einiges und sind eine gute weiterfuehrende Vertiefung zur Praesentation, da sie trotz wissenschaftlichem Anspruch auch fuer Nicht-Fachleute lesbar sind. Der Katalogteil hat zu jedem Raumthema eine kleine Einfuehrung, die Exponate sind aufschlussreich beschriftet, aber leider nicht alle bebildert. Das Kaleidoskop der Ausstellung wird wieder eingefangen und der Band ist auch ohne Aufsatztexte verstaendlich. Allerdings muss festgestellt werden, dass der Katalog eher als Ueberblickswerk zum Thema "Spaetmittelalter am Oberrhein" gedacht ist und weniger als Sammelband mit den neuesten Forschungen, wenngleich die aufgefuehrte Literatur einen besonderen Nutzen hat. Fazit: Die Ausstellung im Badischen Landesmuseum ist eine der besten Ausstellungen der letzen Jahre: umfassend, abwechslungsreich und fuer alle Sinne. Der Teil in der Staatlichen Kunsthalle repraesentiert hingegen eine traditionelle Kunstausstellung mit Meisterwerken der Spaetgotik in Deutschland fuer Kenner und Liebhaber. -- Copyright (c) 2001 by VL-Museen, 'Museum Professionals', all rights reserved. This work may be copied for non-profit educational use if proper credit is given to the author and the list. For other permission, please contact editor@museumslist.net . If you like to review a exhibiton, book or media on museological topic, please contact: marra@museumslist.net WWW: http://www.museumslist.net ; http://www.VL-Museen.de
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