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[Editor's note: This mail contains a German review about the catalogue of the exhibition on witchcraft in Hamburg/DE.] From: "Klaus Graf" <graf@uni-koblenz.de> Subject: LIT: Katalog Hexenwelten Date: Sun, 19 Aug 2001 12:09:49 +0200 ------------------------------------------- Hexenwelten, hrsg. von Wulf Koepke/Bernd Schmelz (= Mitteilungen aus dem Museum fuer Voelkerkunde Hamburg NF 31), Bonn 2001. ISBN 3-86097-466-1. 235 S. DM 34,- (in der Ausstellung: 13,13 DM) Rezensiert fuer "Museum Professionals" und "Hexenforschung" von Dr. Klaus Graf, Universitaet Freiburg Der Begleitband zur Hamburger Ausstellung enthaelt sieben Aufsaetze und die Ausstellungstexte. Er ist reich illustriert, allerdings ist die Qualitaet der Schwarzweiss-Abbildungen schlecht, und auch das Layout des Bandes kann nicht als ansprechend bezeichnet werden. Peter Dinzelbacher, Heilige oder Hexen? Mystik als historisches Phaenomen (S. 1-26) gibt eine bereits publizierte Kurzfassung seiner gleichnamigen Monographie von 1995. Auf einen Vortrag von 1997 geht der Aufsatz von Roswitha Rogge, Von Zauberinnen, Hexen und anderen beruechtigten Frauen im fruehneuzeitlichen Hamburg, S. 27-43 zurueck. Sie stellt einige Schadenszauberfaelle vor, aber Genaueres ueber den Ablauf der Hamburger Hexenprozesse ist diesem wenig erhellenden Artikel nicht zu entnehmen. Die Angaben auf S. 40 - 50 Frauen und 5 Maenner als Opfer 1444-1642 - stehen mit der S. 212 abgedruckten Tabelle, die eine Hinrichtung von 1701/02 als letzte Verurteilung nennt, nicht im Einklang. Das Verhaeltnis des Aufsatzes zu den Beitraegen Rogges in der GWU 1995 (nicht zitiert) und im Sammelband des Voelkerkundemuseums "Hexerei, Magie und Volksmedizin" von 1997 ist unklar. Nicht gerade auf dem neuesten Stand der Hexenforschung ist auch Claudia Mueller-Ebeling, Verbotene Visionen - Hexen und ihre Kraeuter in der Kunst. Schamanisches Erbe des Hexenbildes, S. 45-68. Sie versucht Felsbilder als Ausdruck schamanischer Erfahrungen mit den Hexendarstellungen der europaeischen Kunst zu konfrontieren, z.B. Hexenkraeuter auf diesen zu entdecken. Die reiche Forschung zu den Hexenbildern ist der Autorin unbekannt! Seltsam ist bereits der Titel des Artikels von Christian Raetsch, Heras Hexensalbe oder hexen.@salbe <mailto:hexen.@salbe>, S. 69-99. Zwar wuerdigt der Autor die Hexensalben deutlich als Fiktionen, doch finden sich auch hoechst merkwuerdige Deutungen der Begriffe Hexe/Hagazussa, die in Runen geschrieben werden und einen schamanischen Bezug verpasst erhalten. Dem Grimmschen Maerchen widmet sich Sabine Beer, Verkehrte Welten und utopische Sehnsuechte. "Haensel und Gretel", die etwas andere Weihnachtsgeschichte, S. 101-123. Auch hier finden sich Fehlinformationen, doch kann man diese dem anregend-amuesanten Beitrag zur Motivgeschichte des Hexenglaubens durchgehen lassen. Nicht besonders gelungen ist dagegen wieder der Beitrag von Bernd Schmelz, Neue Hexen im Museum. Forschung, Praesentation und Vermittlung, S. 125-163. Er stellt zunaechst das Hamburger Hexenarchiv und seine Veranstaltungen vor und wendet sich dann (S. 133-144) den bisherigen Hexenausstellungen zu, die unkritisch aufgelistet werden. Die Studie von Gudrun Schell (Zur Darstellung von Hexen und Hexenverfolgungen in Museen. Didaktische und methodische Aspekte, Marburg 1996 - Microfiche-Ausgabe) ist ihm unbekannt. Es folgen breite Ausfuehrungen ueber die Neuen Hexen in Deutschland und England und das sogenannte Neuheidentum. Die abschliessend geforderte partnerschaftliche Einbeziehung der dargestellten Kultur durch das Voelkerkundemuseum, also das Anbieten von Ritualen und magischen Praktiken, hat ja in unserer Liste HEXENFORSCHUNG bereits zu kritischen Stellungnahmen gefuehrt. Donate Pahnke, Mondlicht auf dem Buch der Schatten. Die Hagazussa als Leitfigur des Persoenlichkeitswachstums, S. 165-187 fuehlt sich der oekofeministischen Spiritualitaet der "Reclaiming Community" in "Forschung und Arbeit verbunden" (S. 166). Die Ausstellungstexte (S. 191-234) enthalten keinerlei Literaturhinweise. Dass sie dem Phaenomen der historischen Hexenverfolgungen in angemessener Weise gerecht werden, kann nicht behauptet werden. Es genuegt wohl, wenn ich einen Satz aus dem zutiefst fragwuerdigen Abschnitt "Die Hexenverfolgung der Fruehen Neuzeit" (S. 214f.) zitiere: "Aus Herrschaftskalkuel wurden im Rahmen der Hexenprozesse aber auch gezielt ganze Gruppen verfolgt, deren spirituell/mystische Erfahrungen sie zu einer potentiellen Gefahr fuer die Kirchen machten". Insgesamt dominiert eine ahistorische Sicht des Hexenwesens. Dieses Buch ist ein Aergernis. Die wissenschaftliche Qualitaet der Beitraege ist nicht sonderlich hoch, und es fehlt - anders als in dem Katalog von Itzehoe (siehe diese Liste am 27.12.2000) - nicht zuletzt an einem Beitrag zu den Hexenprozessen, der die interessierten Laien/Fachfremden in fundierter Weise an die Resultate der neueren Hexenforschung (und die empfehlenswerte Literatur, z.B. Behringer 2000) heranfuehren koennte. Johann Kruse wuerde sich im Grabe umdrehen! ------------------------------------------------ Copyright (c) 2001 by "Hexenforschung" and "Museum Professionals" all rights reserved. This work may be copied for non-profit educational use if proper credit is given to the author and the list. For other permission, please contact editor@museumslist.net . If you like to review a exhibiton, book or media on museological topic, please contact: editor@museumslist.net "Museum Professionals" http://www.museumslist.net "Hexenforschung" http://www.listserv.gmd.de/archives/hexenforschung.html
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