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Submitted by: Regine_Klose-Wolf@HIS-ONLINE.DE Hamburger Institut fuer Sozialforschung Presse- und Oeffentlichkeitsarbeit Mittelweg 36, 20148 Hamburg, T. ++-40-487087 Pressemitteilung Hamburg, Maerz 1999 Hamburger Institut fuer Sozialforschung wird zur Zeit keine Fotos aus der Ausstellung "Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" herausnehmen Seit Ende Januar erscheinen Artikel in der bundesdeutschen Presse, die sich mit den Behauptungen des Historikers Bogdan Musial befassen, in der Ausstellung des Hamburger Instituts fuer Sozialforschung "Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944" wuerden 1) eine Reihe von Bildern gezeigt, die nicht Verbrechen deutscher Truppen, sondern Verbrechen des sowjetischen NKWD zeigen und 2) das Hamburger Institut fuer Sozial-forschung habe nicht auf diese Einwaende reagiert. Hierzu stellen wir fest: Musial teilte dem Hamburger Institut fuer Sozialforschung im Dezember 1997 mit, dass er an einigen Bildern in der Ausstellung Zweifel hege. Im Februar 1998 antwortete ihm unser Mitarbeiter, der Historiker Dr. Bernd Boll, "Ich habe den Sachverhalt sofort recherchiert und herausgefunden, dass sich unter den Leichen auf den Fotos mit grosser Wahrscheinlichkeit auch die mit Billigung, wenn nicht gar indirekter (Absperrungen) Unterstuetzung der Wehrmachtseinheiten von ukrainischen Nationalisten erschlagenen Juden befinden. Auf jeden Fall geht dies aus Militaerakten hervor." Zur Erlaeuterung fuegen wir an: Dass der NKWD vor dem Einmarsch deutscher Truppen in einer Reihe von Staedten in Galizien ukrainische Nationalisten ermordete, ist seit langem bekannt und wird in der Ausstellung am Beispiel Tarnopol exemplarisch dargestellt. Aehnlich spielten sich auch die Massaker in Zloczow ab: Die Leichen mussten nach dem Einmarsch der deutschen Truppen am 1. Juli 1941 von der juedischen Bevoelkerung exhumiert werden. In den naechsten Tagen wurden 3000 Juden von ukrainischen Kollaborateuren sowie der deutschen Waffen-SS und Wehrmachtssoldaten ermordet - angeblich aus Vergeltung, weil sie Schuld an den NKWD- Morden seien. Der Stadtkommandant schritt erst am 3.7.41 gegen diese Morde ein und sorgte mit eigenen Absperrkommandos dafuer, dass Neugierige von der Mordstaette ferngehalten wurden. Ausserdem setzte die Wehrmacht Reporter und Fotografen der Propagandakompanie 666 auf diese Vorgaenge an, die fuer die Heimatpresse radikal antisemitische Beitraege verfassten. Auf diese Weise sind wohl auch die (in der Ausstellung gezeigten) Fotos entstanden, die der Unteroffizier Worbs bis 1944 bei sich trug. Diese Verlaeufe werden durch zwei Augenzeugenberichte bestaetigt - durch den von Shlomo Wolkowicz, einem Ueberlebenden des Massakers an den Juden und durch den des Obersten der Wehrmacht, Otto Korfes - Kommandeur des Infanterieregiments 518 - der die Morde vorlaeufig persoenlich beendete und den Moerdern sowie den zahlreichen zuschauenden Soldaten befahl, den Schauplatz zu verlassen. Wolkowicz berichtet, dass die Juden bereits beim Ausgraben der NKWD-Opfer getoetet wurden. Dies wird durch den Bericht von Oberst Korfes bestaetigt. Korfes besass Fotos von diesen Morden. Seine Frau beschriftete diese spaeter nach seinen Angaben: "Massenmord an Juden", "Zitadelle", "von SS ermordete Juden...". Diese Bilder zeigen dieselben Motive, wie die in der Ausstellung gezeigten, - nur aus einer anderen Perspektive. Unser Mitarbeiter bot Herrn Musial in dem Schreiben an, gerne wieder mit uns Kontakt aufzunehmen. Es hat im Anschluss an diesen Briefwechsel noch ein Telefonat zwischen Herrn Boll und Herrn Musial gegeben. Wie sich zeigt, ist Musials Behauptung, das Hamburger Institut f=FCr Sozialforschung habe nicht reagiert, falsch. Haette Herr Musial unsere Rechercheergebnisse und die Antwort von Herrn Dr. Boll angezweifelt und Belege gehabt, so haette er sie in diesem Telefonat mit Herrn Boll aeussern und avisieren muessen. Dies tat er nicht. Nachdem uns Herr Musial - im Anschluss an das einvernehmliche Telefonat - seine Dissertation zugeschickt hatte, kam es zu keinen weiteren Kontakten. Seit neuerem behauptet Herr Musial nunmehr, es habe einen weit ausfuehrlicheren Kontakt zwischen dem Hamburger Institut fuer Sozialforschung und ihm gegeben, als wir sagen. Dies ist nicht richtig. Dass Herr Musial Belege haben soll, die seine Zweifel begruenden, erfahren wir nun aus der Presse. Bisher hat er sie uns weder angeboten noch vorgelegt, und auch die Presse scheint sie bisher nicht gesehen zu haben. Sobald Herr Musial seine Beweise vorlegen sollte, werden wir diese pruefen. Bis dahin gehen wir weiterhin davon aus, dass auf den Fotos aus Zloczow beide Opfergruppen zu sehen sind und belassen die Bilder in der Ausstellung. Wir werden die Ausstellung zudem um die Fotos aus dem Nachlass des spaeteren Generals Otto Korfes ergaenzen. Das Verhalten von Herrn Musial entspricht in keiner Form dem ueblichen kollegialen Umgang unter Historikern. Die von ihm gegen uns gestartete Medienoffensive laesst Zweifel an seinem Wunsch nach einer fachlichen Auseinandersetzung aufkommen. Dafuer spricht auch die Tatsache, dass Herr Musial am 12.2.99 gemeinsam mit den beiden hartnaeckigsten Gegnern der Ausstellung, Ruediger Proske und Walter Post, auf dem Podium einer Pressekonferenz sitzen sollte. Herr Musial nahm dann aus Gesundheitsgruenden nicht an der Pressekonferenz teil. Liess aber eine Pressemitteilung verteilen, in der er seine Vorwuerfe gegen das Hamburger Institut fuer Sozialforschung erneuerte. Fuer Rueckfragen stehen wir gerne zur Verfuegung. Mit freundlichem Gruss Regine Klose-Wolf
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