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Submitted by: Thomas Schmitz
<a2816ce@sunmail.lrz-muenchen.de>
The exhibition "Vernichtungskrieg: Verbrechen der Wehrmacht", organized
by the Hamburg based Intitut fuer Sozialforschung and sponsored by Jan
Phillipp Reemtsma has finally reached Munich, the former "Hauptstadt der
Bewegung". Although it is scheduled to open its doors not before Feb. 24,
it has already become the object of intense local political struggles
between the CSU-staffed Bavarian ministry for cultural affairs, the
equally CSU-dominated administrative office for the district of Munich
on the one hand, and the anti-CSU all-party Munich city parliament
dominated by the SPD and local green and ecological groups, headed
by Munich's SPD major.
After the U of Munich - probably as a result of the recent
Adler-scandal - had decided to stage the opening ceremony in its
rooms, the Bavarian government issued the following comment to the press:
"Die Universitaet Muenchen hat im Rahmen ihrer Selbstverwaltung
entschieden, ihre Raeume fuer die Eroeffnung der Ausstellung zur
Verfuegung zu stellen. Diese Entscheidung ist von der Universitaet allein
zu verantworten. Die Hochschule als Hausherrin ueberlaesst ihre Raeume
jaehrlich in Hunderten von Faellen fuer Veranstaltungen, ohne dass dies
vom Kultusministerium oder von der Staatsregierung zu genehmigen waere.
Die Staatsregierung macht sich deshalb Inhalt und Aussagen der
Ausstellung nicht zu eigen ... Niemand bestreitet ernsthaft die
Notwendigkeit einer ehrlichen, wissenschaftlichen und damit auch
differenzierenden Auseinandersetzung mit der Geschichte des "Dritten
Reiches". Dazu gehoert auch die Frage nach der Rolle und Verantwortung
der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Angesichts der Diskussionen der
letzten Wochen ist allerdings festzustellen: Millionen Kriegsteilnehmer
unterschiedslos treffende und diskriminierende Bewertungen verletzen
einen grossen Teil der aelteren Generation, reissen neue Graeben auf und
schaffen unbelehrbar Ewig-Gestrigen neuen Naehrboden ..."
(Declaration printed in Sueddt. Zeitung, Feb. 15; not available on-line)
Extreme-right-wing groups and neo-fascist organizations have made
preparations to disturb the exhibition and to organize
counter-demonstrations. They have their own www-homepage at:
http://www.thulenet.com/texte/kampagne/
(note: Do not start a discussion with them - it will be fruitless, unless
you may call a cyber-bomb in your e-mail box a "fruit"!)
The whole affair can be best observed via the local reports by the
Sueddeutsche Zeitung, which is (selectively) available at:
http://www-dw.gmd.de/sz
The following text is from
Sueddeutsche Zeitung vom 15.02.1997
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"Verbrechen der Wehrmacht": verschwundene Eintrittskarten und immer neue
Demonstrationen
"Wir sitzen den Neonazis im Genick"
Eine Woche vor Beginn der Ausstellung wird der Streit ueber den Umgang mit
der Vergangenheit immer heftiger
Von Frank Mueller
Raetselhaftes Verschwinden mehrerer hundert Eintrittskarten zur
Auftaktveranstaltung und eine Eskalation des Streits ueber die Ausstellung
an sich gut eine Woche vor Beginn der umstrittenen Schau ueber die
Verbrechen der Wehrmacht in der Rathauskassenhalle schlagen die Wellen
immer hoeher. Zugleich arbeitet das Kreisverwaltungsreferat fieberhaft
daran, trotz mehrerer Protest- und Gegenprotestkundgebungen eine Eskalation
zu vermeiden.
Fuer das offenbar aus dem Kulturreferat stammende Geruecht, mehrere hundert
Einlasskarten zur Auftaktveranstaltung am Abend des 24. Februar seien
verschwunden, war gestern keine offizielle Bestaetigung zu erhalten; in
Rathauskreisen hiess es, durch die in der Zwischenzeit bereits beschlossene
Verlegung des Auftaktorts von der Rathauskassenhalle in das Uni-Audimax habe
sich das Problem aber so oder so erledigt, weil ohnehin neue Karten gedruckt
werden muessten. Spekulationen, dass Karten in rechtsextreme Kreise gelangt
seien koennen, seien damit hinfaellig.
Die Entscheidung der Uni, ihr Audimax als Veranstaltungsort fuer den
Auftaktabend am 24. Februar zur Verfuegung zu stellen, hat unterdessen beim
obersten Dienstherrn, Kultusminister Hans Zehetmair (CSU), verschnupfte
Reaktionen ausgeloest. In einer Erklaerung ging Zehetmair klar auf Distanz
zum Kurs der Uni. Diese habe die Vergabe des Audimax "allein zu verantworten",
erklaerte Zehetmair. Die Staatsregierung trage die "pauschale Verurteilung
der deutschen Kriegsteilnehmer" nicht mit. Von einem Verbot der
Veranstaltung nahm Zehetmair aber Abstand.
Krach um Raumfragen gab es auch im Rathaus: OB Christian Ude (SPD)
gestattete es der CSU nicht, ihre zum selben Zeitpunkt geplante
Protestveranstaltung im Grossen Sitzungssaal des Rathauses abzuhalten. Die
CSU will, wie berichtet, am Abend des 24. unter anderem mit etwa 100 Gaesten
aus der Bundeswehr bei einer oeffentlichen Fraktionssitzung gegen die
Ausstellung protestieren. Dies wird nun im fraktionseigenen Sitzungssaal
geschehen. CSU-Stadtrat Franz Forchheimer kuendigte allerdings nach
Informationen der dpa an, sich daran nicht zu beteiligen und stattdessen zur
offiziellen Auftaktveranstaltung zu gehen. Forchheimer schert damit in
dieser Sache bereits zum zweitenmal aus der Fraktionslinie aus. Schon bei
einer Stadtratsdebatte zum Thema Wehrmacht war Forchheimer im Saal sitzen
geblieben, waehrend alle Fraktionskollegen diesen als Protestaktion gegen
Rot-gruen verlassen hatten.
Das Kreisverwaltungsreferat wird unterdessen von immer neuen Entwicklungen
im Reigen der angekuendigten Protestkundgebungen fuer den 1. Maerz in Atem
gehalten. Nach den bisher vorliegenden Informationen wollen NPD samt
Parteijugend JN unter dem Motto "Unsere Grossvaeter waren keine Verbrecher"
aus Richtung Uni zum Marienplatz ziehen. Fuer diese Aktion wird nicht nur in
kursierenden Flugblaettern und Telephon-Tonbandansagen, sondern auch im
Computernetzwerk Internet geworben (siehe Abbildung). Dagegen sind bislang
vier Protestkundgebungen im nahen Umfeld angekuendigt, naemlich von den
Gruenen, dem DGB, den Jusos und der "Antifaschistischen Aktion".
Gruenen-Fraktionschef Siegfried Benker sagte gestern, seine Partei plane zum
Zeitpunkt des NPD-Marschs eine Mahnwache am Geschwister-Scholl-Platz.
Anschliessend wollten sie den Rechtsextremen "folgen", sagte Benker, unter
dem Motto: "Wir sitzen den Neonazis im Genick."
Kreisverwaltungsreferent Hans-Peter Uhl spielt allerdings mit dem Gedanken,
genau dieses zu untersagen. Es sei zwar noch nichts entschieden, sagte Uhl
gestern der SZ, er denke aber ueber Auflagenbescheide mit dem Ziel nach
Rechte und Linke raeumlich und zeitlich zu trennen. Sorgen ueber eine
Eskalation mache er sich nicht, sagte Uhl. Die Atmosphaere sei zwar "ein
bisschen aufgeheizt", versammlungsrechtlich sei das ganze aber "business as
usual". Die Ursache fuer das Gezerre sieht Uhl nicht in dem "politisch
unerfreulichen, aber versammlungsrechtlich unproblematischen" Aufmarsch der
NPD, sondern in der Ausstellung. Uhl: "Die hat Unfrieden gebracht".
Der Parteienstreit um die Ausstellung schaukelt sich unterdessen immer
hoeher. Gruenen-Fraktionschef Siegfried Benker sprach gestern von nahtloser
Uebereinstimmung von Konservativen und Rechtsextremen. Benker: "Die CSU
reiht sich in diese Front ein und macht damit dieses Gedankengut salonfaehig".
Die ebenfalls im Stadtrat vertretene ODP bescheinigte der CSU, "mentale
Unterstuetzung fuer diese Zusammenrottung der Naziszene" zu leisten. Die CSU
nannte diese Attacken "laecherlich". Sie entscheide selbst, welche Meinung
sie vertrete, hiess es in der Fraktion. Auch beim Parteiennachwuchs tobt der
Streit. Die Junge Union kuendigte an, sie werde parallel zur
Ausstellungseroeffnung am 24. einen Kranz beim Grabmal des Unbekannten
Soldaten niederlegen und "all der deutschen Soldaten gedenken, die im
Zweiten Weltkrieg als Opfer eines Unrechtsregimes ihr Leben lassen mussten
und nun in einer beispiellosen Hetze von der Landeshauptstadt Muenchen
generaliter als Verbrecher diffamiert werden." Die Jusos verlangten eine
Entschuldigung und konterten, die JU greife "noch tiefer in die
Wortschatulle des (Naziblatts, Anm. d. Red) Stuermer als der Aufruf der
NPD".
SZ-ONLINE: Alle Rechte vorbehalten - Sueddeutscher Verlag GmbH, Muenchen
P.S.: The Berlin historian Arnulf Baring was scheduled to speak in favor
of the CSU-rally against the exhibit - he has just decided to
cancel his speech due to, as he termed it, "die polemische Schaerfe
der oeffentlichen Auseinandersetzung".
Thomas Schmitz
<a2816ce@sunmail.lrz-muenchen.de>
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