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Übersetzungen im Prozess der deutschen Nationenbildung, Düsseldorf (17.01.2010) Date: Friday, November 20, 2009 10:28 AM In einer im Jahr 1805 veröffentlichten Rezension formuliert Johann Wolfgang von Goethe den Gedanken, dass es „für eine Nation ein Hauptschritt zur Cultur ist, wenn sie fremde Werke in ihre Sprache übersetzt.“ Die Begriffe Nation und Kultur, die in den intellektuellen wie politischen Diskursen des 19. Jahrhunderts, einzeln wie als Kompositum, zu bestimmenden Schlagworten avancierten, stehen in der Betrachtung des Weimarer Staatsministers in Verbindung mit dem hermeneutischen Prozess der Aneignung fremder Kenntnisse und Vorstellungen durch die Übertragung literarischer Werke von einer Sprache in eine andere. Im deutschen Sprachraum wurde im 18. und 19. Jahrhundert die Identität der Nation als Nation zunächst über das Paradigma der Kultur bestimmt. Sie entwickelte sich erst spät in diesem Prozess, parallel mit dem Verfall der feudalen Strukturen und dem Aufstieg des Bürgertums, zu einer politischen Vorstellung und Forderung. Erst in den Jahren zwischen der Französischen Revolution und dem Wiener Kongress erhielt das Konzept der Nation in Deutschland seine moderne Bedeutung. Indem aber der kulturelle Diskurs dem politischen voranging, und zugleich – gerade vor dem Hintergrund der aus der Klassik nachwirkenden humanistischen Idealvorstellung einer „Weltliteratur“ – Werke anderer europäischer Literaturen ins Deutsche übersetzt wurden, stellt sich die Frage, inwiefern philosophische, ästhetische und politische Vorstellungen aus anderen Literaturen die Ausbildung einer nationalen Eigenart sowie eines nationalen Bewusstseins in Deutschland im 19. Jahrhundert – von der Romantik bis zum Naturalismus – beeinflusst oder bestimmt haben. Zu diesem Generalthema ist ein Sammelband geplant, der im Jahr 2010 in der Reihe „Transfer. Literatur – Übersetzung – Kultur“ des Gunter Narr Verlages in Tübingen erscheinen wird. Themenschwerpunkte des Bandes sind im Einzelnen: 1. Übersetzung und Nation – Beitrag der Übersetzung zu Inhalt und Kontur eines Deutschland- Begriffs – Übersetzungen als Beschreibungen nationaler Vor- und Gegenbilder – Übersetzung und nationale Stereotype – Soziale und ökonomische Wirklichkeiten in Übersetzungen und ihre Wirkung auf die deutsche Gesellschaft – Übersetzer als politische Agenten etc. 2. Übersetzung und Nationalliteratur – die Rolle von Übersetzungen im Rahmen der nationalen Literaturgeschichtsschreibung – Gründe für die Bevorzugung bestimmter Nationalliteraturen bzw. Texte, bezogen auf Strömungen und Schwerpunkte der zeitgleichen deutschen Literatur etc. 3. Einzelstudien zu allen am Übersetzungsprozess beteiligten Instanzen (Autoren, Übersetzer, Verlage etc.) Themenvorschläge und Exposés (maximal 1 Seite) werden bis zum 17. Januar 2010 erbeten an: Prof. Dr. phil. Bernd Kortländer Heinrich-Heine-Institut Bilker Strasse 12–14 40213 Düsseldorf bernd.kortlaender@duesseldorf.de PD Dr. phil. Sikander Singh Heinrich-Heine-Universität Germanistisches Seminar II Universitätsstrasse 1 40225 Düsseldorf ssingh@phil-fak.uni-duesseldorf.de ___________________________________________________________________ H-GERMANISTIK Netzwerk für literaturwissenschaftlichen Wissenstransfer Humanities-Network for German Literature and Philology mail: redaktion@h-germanistik.de www: http://www.h-germanistik.de Beiträge / contributions: www.germanistik-im-netz.de/h-germanistik ___________________________________________________________________
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